written by
Lars Stark
Social Media
2019-08-06

1 Jahr Instagram TV: Die Relevanz des Video-Formats für Marken

1 Jahr Instagram TV: Die Relevanz des Video-Formats für Marken

Instagram TV (IGTV) feiert Geburtstag: Vor rund einem Jahr launchte die Foto-Plattform ihre eigene Bewegtbild-Anwendung. Ein guter Zeitpunkt für eine erste Bestandsaufnahme. Lars Stark, Geschäftsführer der Berliner Kreativagentur Buddybrand, erklärt im Interview, welche Rolle IGTV mittlerweile im Marketingmix von Brands spielt, was Start-ups beim Umsetzen eigener Kampagnen beachten sollten und was uns in Zukunft erwartet.

Lars, wie hat sich IGTV seit dem Start entwickelt?

IGTV ist immer noch der einzige Kanal, der Full-Screen-Vertical-Video mobile only bietet. Klingt vielleicht etwas sperrig, beschreibt die Video-App jedoch ganz gut. Denn Instagram ist mobile geboren, es ist schon immer ganz nativ auf unserem Smartphone gewesen. Das vertikale Videoformat passt also perfekt. Im Vergleich zur Story-Funktion, die mittlerweile in fast allen sozialen Medien genutzt werden kann, hat sich IGTV allerdings noch nicht wirklich durchgesetzt – weder bei den Fans, noch bei den Creators. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf das Format. Denn Instagram bemüht sich, durch neue Features und bessere Sichtbarkeit die eigene Video-App populärer zu machen. So führte die Plattform vor kurzem eine kleine, aber wirkungsvolle Änderung ein, die es erlaubt, 60 Sekunden lange Previews der eigenen IGTV-Inhalte im Feed zu posten – mit Erfolg. Dank des neuen Features konnten einige Kanäle ihre Views massiv steigern. Zudem verkündete Instagram kürzlich, das Tool im Querformat anzubieten. Damit wird auch das Betrachten von Videos im Landscape-Format ermöglicht.

Für welche Unternehmen und Start-ups ist IGTV der richtige Kanal?

IGTV eignet sich für jedes Unternehmen oder Start-up, das zukunftsorientiert denkt und sich gegenüber der eigenen Konkurrenz abgrenzen möchte. Ganz besonders gilt das für die Bereiche Beauty und Food, in denen Brands über das neue Format ganz anders aufgeladen werden können. Diese beiden Branchen nutzen traditionell ohnehin die visuellen Medien und waren beispielsweise auf Instagram schon immer ganz vorn dabei. Für Unternehmen aus anderen Branchen muss man dagegen spezieller schauen, was für Konzepte gut funktionieren. Man sollte sich immer bewusst machen, was man erzählen und vermitteln will und wie man dies in Bewegtbild umsetzen kann.

Was sollten Unternehmen beachten?

Wichtig ist, dass man IGTV wie eine Story konsumiert. Als Nutzer swipe ich durch den Feed und schaue, was mich anspricht. Deswegen kommt es ähnlich wie bei Stories auf die ersten drei Sekunden an. Wenn ich getriggert werde, schaue ich weiter, weshalb die Produzenten umdenken müssen. Bei 30- oder 60-Sekündern im TV gibt es einen ganz anderen Spannungsbogen. Beim Fernsehen bin ich nicht aktiv, sondern lasse mich berieseln. Bei IGTV bin ich aktiv, indem ich durch die Inhalte swipe. Damit das Video angeschaut wird, sollten Marken auffallen und sofort deutlich machen, was der Mehrwert für den Konsumenten ist. Darüber hinaus empfiehlt es sich, in Formaten und Episoden zu denken. So könnte man beispielsweise eine Serie produzieren, die täglich mit einer neuen, kurzen Folge erscheint. Denn regelmäßiger Content bietet den Nutzern einen „reason to follow“ – und bindet sie an den IGTV-Account der Marke.

Fallen Dir auf Anhieb gute Beispiele für gelungenen IGTV-Content von Marken ein?

Die Kanäle von Streaming-Gigant Netflix oder dem Make-up-Onlineshop Sephora finde ich sehr gelungen. Wenn man sich umschaut, was Persönlichkeiten auf IGTV veranstalten, findet man auch sehr schöne Cases. Das Daily Ripke von Paul Ripke beispielsweise: Seit Anfang des Jahres können Follower des Fotografen täglich an seinem Leben teilhaben. Zehn-Minuten-Clips auf IGTV zeigen seine Arbeit, Freunde und Freizeit. Ähnlich ansprechend produziert ein Team die „Behind the Scenes Looks“ für das Topmodel Lena Gercke, die ihre Fans damit an ihrer Arbeit und ihrem Leben per IGTV teilhaben lässt.

Siehst Du IGTV zukünftig auch als Performance-Kanal oder ist es eher ein Branding-Tool?

Analog zum Instagram-Feed und den Stories gilt auch für IGTV, dass sowohl Brand Building als auch Performance auf diesem Kanal gelingen kann. Auf der einen Seite bietet die Video-App natürlich gute Möglichkeiten zum Aufbau der eigenen Marke durch besonders ästhetisch ansprechende Inhalte. Die bereits erwähnten Branchen Beauty und Food sollten daher mehr Geld investieren und hochwertige Inhalte für das Hochkant-Format produzieren, um ihren Content auf besondere Art zu präsentieren. Auf der anderen Seite wird auch der Performance-Charakter des Kanals immer deutlicher, sofern Influencer für die Erstellung von Markencontent verantwortlich sind und Verlinkungen integrieren.

Von den Storys bis zu IGTV. Welches Tool wartet als nächstes auf uns und wo führt uns die Reise hin?

Ich gehe stark davon aus, dass mehr und mehr Plattformen Augmented Reality (AR) integrieren werden und so die User Experience noch viel mehr in unsere reale Welt übertragen wird. AR erlaubt immersives Branding und unvergleichliche Markenerlebnisse über mein Smartphone hinaus. Erst im April hat Snapchat Scan veröffentlicht, womit Marken bereits einige beeindruckende Cases geschaffen haben – Beispiele sind die Kooperationen mit HBO oder Nike zur SXSW. Da in der Vergangenheit immer wieder Funktionen von Snapchat von den anderen großen Playern kopiert wurden, ist es nur eine Frage der Zeit (Facebook experimentiert schon seit letztem Sommer mit AR-Anzeigen für Werbetreibende), bis Augmented Reality einer noch breiteren Masse zugänglich wird.

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