written by
Dr. Hans Langthaler
Global Trends
2016-11-03

Deutschland ist hip!

Deutschland ist hip!

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mmer mehr internationale Unternehmen drängen auf den attraktiven deutschen Markt. Mit über 40 Millionen zahlungskräftigen Haushalten und einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3,8 Billionen Euro steht Deutschland für knapp ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung der EU. Und es sind nicht mehr allein die Exporte, die die Konjunktur antreiben, auch die Konsumenten haben ihre jahrelange Kaufzurückhaltung aufgegeben. Mit einem Zuwachs von knapp 2 Prozent gehört der private Konsum inzwischen zum Treiber der bundesdeutschen Konjunktur.

Auch die Online-Affinität der Verbraucher ist ungewöhnlich hoch. Mehr als jeder zweite kauft online ein. Und mit jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben von mehr als 1.000 Euro gehören die deutschen Online-Käufer sogar zu den eifrigsten Shoppern in Europa. Vor allem die Flexibilität der Konsumenten macht den deutschen Markt so attraktiv. Die Lust, Neues auszuprobieren, ist hierzulande besonders ausgeprägt. Laut einer Nielsen Studie ist für 26 Prozent der Befragten die Neuheit eines Produktes der Hauptgrund für den Kauf. Ebenso viele gaben an, sie wollen sich selbst mit dem Kauf eines Produktes etwas Gutes tun. Erst an dritter Stelle steht der Preis.

Diese „Hipness“ haben auch ausländische E-commerce Unternehmen erkannt. So sind in den letzten Jahren spezialisierte Online-Unternehmen aus Europa und den USA dazu übergangen, den deutschen Markt ganz oben bei ihren favorisierten Zielregionen zu platzieren. Mittlerweile zählen ausländische Fashion-Onlinehändler wie asos oder farfetch (England) zu beliebten Shops unter den deutschen Frauen. Auch Möbelunternehmen aus Übersee wie wayfair versuchen vermehrt, im deutschen Markt Fuß zu fassen.

Daneben gibt es noch einige „soft factors“, die ebenfalls erklären, warum Deutschland derzeit en vogue ist. Die Mentalität der deutschen Gründlichkeit wird bei potentiellen Investoren und ausländischen Investoren hoch geschätzt. Hier wird geliefert, was versprochen wurde. Auch die Expansion in die Nachbarmärkte Österreich und Schweiz mit mehr als 16 Millionen Verbrauchern ist aufgrund der Amtssprache Deutsch und einem gemeinsamen Kulturhintergrund relativ einfach.

Nichtdestotrotz, muss Deutschland in punkto „Ease of Doing Business“ noch aufholen.

So sind beispielsweise die Transaktionskosten laut Weltbank in den skandinavischen Ländern oder in Großbritannien deutlich günstiger als in Deutschland. Hier kann sich Deutschland noch Einiges von anderen Ländern abschauen. Hinzu kommt, dass die Geschäfte stark vertragsbasiert funktionieren. So steht nicht das Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern im Vordergrund, sondern der fixierte Vertragstext. In diesem Bereich kann Deutschland ruhig noch die ein oder andere Sache von anderen Ländern lernen. Wenn Deutsche Politiker und Gründer die Innovation und den Handel weiterhin begrüßen, wird Deutschland im globalen Kontext definitiv hip bleiben.

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