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SevenVentures
Marketing
2019-05-23

Seit einem Jahr: So hat die DSGVO das Marketing verändert

Seit einem Jahr: So hat die DSGVO das Marketing verändert

Seit gut einem Jahr ist sie in Kraft, die Datenschutzgrundverordnung oder kurz: DSGVO. Insbesondere die ersten Monate waren begleitet von Unsicherheit und der fast täglich aufkommenden Frage: „Dürfen wir das so überhaupt noch machen?“ Das einjährige Jubiläum haben wir zum Anlass genommen, bei vier Experten nachzufragen, wie die neuen europäischen Datenschutzregeln die Marketing-Szene geprägt haben.

Klaus Weise, Partner und Geschäftsführer Serviceplan Public Relations, freut sich über ein gestiegenes Bewusstsein für das Thema Datenschutz bei Marketingtreibenden:

„Die Einführung der DSGVO hat wilde Blüten getrieben. War das nur Panikmache oder schon reine Idiotie? Ich erinnere mich noch dunkel an Empfehlungen, wie etwa die Namen von Klingelschildern in Wohnhäusern zu entfernen. Ein Jahr später wissen wir: Der digitale Weltuntergang ist ausgeblieben, die große Abmahnwelle ebenfalls.

Was hat sich geändert? Die Flut von Zustimmungswünschen im E-Mail-Postfach hat bei uns allen ein Bewusstsein dafür geschaffen, wer unsere Daten gespeichert hat. Wir neigen dazu, zu vergessen, dass das Internet nichts vergisst. Dass die Verteiler vieler E-Mail-Newsletter als Folge der DSGVO deutlich geschrumpft sind, ist gut. Denn nur ein gelesener Newsletter ist ein guter Newsletter.

Bei Marketingtreibenden wurde ein stärkeres Bewusstsein dafür geschaffen, dass man mit Daten nicht alles machen darf. Beispielsweise ist das Social Media-Monitoring ein wenig mühsamer geworden. So what? Unterm Strich bleibt: der Datenschutz wird ernster genommen. Das ist gut für Marketing und Kommunikation. Denn auch unsere Branche ist auf Akzeptanz und Vertrauen angewiesen. Langfristig könnte sich die DSGVO als Wettbewerbsvorteil für Europa herausstellen.“

Christian Fuchs, Inhaber der E-Mail-Marketing- und Digitaldialog-Agentur fuchs+wald, beobachtet noch viel Unsicherheit, sieht die DSGVO aber nicht als Hindernis für gutes E-Mail-Marketing:

„Die DSGVO ist noch heute ein großes Thema bei E-Mail-Marketing ManagerInnen und den Teams, die sich Gedanken um kundenbasierte Kommunikation machen. Werden rechtliche Newsletter-Themen auf einer Konferenz oder einer Veranstaltung angeschnitten, fällt sofort der Begriff DSGVO und die Unsicherheit bei den Beteiligten ist spürbar und kann oft auch nicht aufgelöst werden.

Wo sind die Unsicherheiten? Es beginnt mit dem Einholen der Erlaubnis, Newsletter verschicken zu dürfen und der Frage, wie dieser aussehen muss, um wirklich rechtssicher zu sein. Außerdem muss geklärt werden, welche Daten zur Personalisierung und Automatisierung genutzt werden dürfen. Vielen fällt außerdem die Trennung zwischen Kommunikation einer Geschäftsbeziehung und Werbekommunikation schwer, weshalb sie auf Newsletter verzichten. Das ist schade, denn die DSGVO ist absolut kein Hindernis für gutes E-Mail-Marketing.“

Gilg Frick, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Kreativagentur NPIRE, hat vor allem negative Erfahrungen mit den neuen Datenschutz-Richtlinien gemacht und sieht keine Vorteile:

„Bisher sehe ich keinerlei Vorteile. Für unsere Kunden bedeutet die DSGVO vor allem, dass sie sich durch eine ziemlich undurchsichtige Menge an Vorgaben kämpfen müssen und vor dem Hintergrund empfindlicher Strafen versuchen, alle Vorgaben strikt einzuhalten. Wir bei NPIRE haben zum Beispiel versucht, alle Webseiten unserer Kunden auf einen korrekten Stand zu bringen – durch die Unsicherheiten hat das bei einigen Kunden jedoch dazu geführt, dass sie ihre Webseiten ganz vom Netz genommen haben.“

Felix Schlepper, Senior Online-Marketing-Berater bei crowdmedia, einer digitalen Beratungsagentur für Content- & Online-Marketing, sieht die Marketing-Szene nach dem ersten Jahr DSGVO kaum verändert:

„Die DSGVO hat im Marketing nicht allzu viel geändert. Zunächst einmal hat die DSGVO im Mai 2018 zu vielen Kurzschlussreaktionen geführt – ohne vernünftige Abwägung. Wobei sich da aus meiner Sicht aufgrund fehlender Transparenz bzw. fehlenden verständlichen Informationen viel unbegründete Panik breitgemacht hat, die einem auch heute noch begegnet. Die meisten Kurzschlussreaktionen wurden mittlerweile rückgängig gemacht, sodass wir im Marketing fast wieder an dem Punkt sind, wo wir vor der DSGVO waren.

Ein Vorteil ist definitiv das gesteigerte Bewusstsein für das Thema Datenschutz, da die Panik rund um das Inkrafttreten der DSGVO für große Aufmerksamkeit gesorgt hat. Die Nebenwirkungen der fehlenden Transparenz bzw. Verbindlichkeit werden uns als Nachteil sicherlich noch einige Zeit begleiten. Vor der DSGVO wurde das Thema Datenschutz sicherlich zu wenig ernst genommen. Wenn es bald nicht mehr Verbindlichkeit gibt, wird die Einstellung zum Datenschutz vermutlich wieder genau dahin abrutschen.“

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