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Marketing
2017-05-23

Die Frork von McDonald’s und andere gelungene PR Stunts 2017

Die Frork von McDonald’s und andere gelungene PR Stunts 2017

Seit dem Aufkommen von Social Media und Content Marketing fragt sich die gesamte Marketing-Welt: War es das für die traditionelle PR? Doch dann eroberte Fast-Food-Dino McDonald’s mit einer smarten und strategisch gut geplanten Aktion in diesem Monat die internationalen Online- und Print-Medien. Wir haben uns das Ganze nochmal genauer angeschaut und stellen außerdem unsere bisherigen Top-PR-Stunts 2017 vor.

 „Das nutzlose Tool für ein Problem, das niemand hat“

Um die Werbetrommel für eine Reihe neuer Burger-Kreationen zu rühren, stellte McDonald’s kürzlich die Frork (eine Wortkreation aus dem englischen Wort für Fritten ‚frites’ und Gabel ‚fork’) vor, also eine Gabel, deren Zacken aus drei Pommes frites bestehen. Die Idee: Mit dem medienwirksam geplanten Stunt in Form eines Werbevideos will das Fast-Food-Urgestein auf die Vorzüge seiner neuen Buletten-Angebote aufmerksam machen und zeigen, dass die Burger besonders gut belegt sind. Fällt etwas runter? Kein Problem: Dafür ist die Frork das perfekte Werkzeug.

Voller Selbstironie stellt Anthony Sullivan, Werbegesicht der Kampagne, im Video die Frage: „Ist das ein Problem?“, die Antwort gibt er gleich selbst – „höchstwahrscheinlich nicht“. Ein Journalist brachte es letztlich auf den Punkt, als er konstatierte, die Frork sei ein nutzloses Tool, das ein Problem lösen solle, das niemand habe.

Dabei war die Idee so abwegig und gleichzeitig genial, dass das Internet nach Veröffentlichung förmlich zu explodieren schien – ein PR-Erfolg auf ganzer Linie. Zwar ist die Frork eigentlich gar nicht käuflich zu erwerben und sie ist auch nur für kurze Zeit in ausgewählten US-Restaurants der Kette verfügbar. Doch das Beispiel zeigt eindrücklich, wie es Marken gelingen kann, mit (vergleichsweise) wenig Budget enorm viel mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen.

 

Der weltweit erste SlowMo-Marathon

Wer an die 90iger-Jahre-Serie Baywatch zurückdenkt, dem fällt meist ein Gesicht ein: das von David Hasselhof. Insbesondere blieb auch der Vorspann im Gedächtnis, der im Wesentlichen aus lebensrettenden Helfern in roter Schwimmkleidung bestand, die den Strand in Slow Motion entlang rennen.

In Anlehnung daran und als Promotion-Aktion für den neuen Baywatch-Kinofilm organisierte Paramount Pictures im vergangenen Monat den weltweit ersten Slow Motion-Marathon in Los Angeles. Teilnehmer konnten sich auf der 300 Meter langen Strecke, je nach Belieben auch in ausgefallenen Outfits, so vor der versammelten Weltpresse präsentieren.

Neben vielen schönen Bildern und Videos für die Veranstalter erreichte das Event vor allem eines: Durch die Tatsache, dass sich – kaum überraschend – viele der Läufer in roter Schwimmmontur zeigten, fand der Marathon und damit letztlich auch der Film eine Menge Beachtung in der Presse.

 

Freikarten, die keine Beachtung finden

Dabei bedarf es oft keiner großen PR-Budgets, um es in die Medien zu schaffen. Viel wichtiger ist eine überzeugende Idee.

Wie so etwas gelingen kann, zeigte das Stockholmer Opernhaus Folkoperan im März dieses Jahres mit einer Werbeaktion für ihre neue Show „A God Disguised“, die auf das Problem der Missachtung von Gruppen am Rande der Gesellschaft aufmerksam machen will. So war auch eine Reihe von Obdachlosen Teil des Ensembles. Diese setzten sich an diverse U-Bahn-Stationen oder vor Supermärkte und hielten dabei Schilder mit dem Angebot auf zwei Freikarten für die neue Folkoperan-Show in den Händen für diejenigen, die sie als erstes darauf ansprachen. Gleichzeitig filmte das Opernhaus die Aktion. Tausende Passanten liefen einfach vorbei, ohne die Nachricht auch nur zu lesen. Es dauerte satte 12 Stunden bis die erste Person sich nach den zwei Freikarten erkundigte.

Eine gelungene Aktion, die mit den Mitteln der PR auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam machen konnte.

 

Die junge Frau, die auf den Charging Bull der Wall Street herabblickt

Die Bronzestatue ist das Wahrzeichen des New Yorker Finanzdistrikts, errichtet, um an Amerikas starke Reaktion auf den Börsencrash von 1987 zu erinnern.

Anlässlich des internationalen Tages des Frau im Februar und um auf die fehlende Gender Diversity in den Top-Firmen des Landes hinzuweisen, errichtete die Firma State Street Global Advisors eine bronzene Statue einer jungen Frau, die auf den weltbekannten Bullen herabblickt.

Die Aktion war medial ein voller Erfolg – unabhängig davon, ob sie nun der guten Sache oder doch eher dem Markennamen des Unternehmens dienlich war. Der PR-Stunt sorgte für schöne Bilder, während er dabei die Popularität eines bekannten Wahrzeichens sowie das Umfeld des Weltfrauentags geschickt nutzte.

 

#Nuggsforcarter

Anfang Mai fragte Teenager Carter Wilkerson die US-Fast-Food-Kette Wendy’s via Twitter, wie viele Retweets er benötigen würde, um ein Jahr lang umsonst Chicken Nuggets serviert zu bekommen. Die Antwort von Wendy’s kam prompt: 18 Millionen.

Unter dem Hashtag #nuggsforcarter rief der Teenager andere Twitter-Nutzer dazu auf, ihn zu unterstützen. Während die Zahl der Retweets in gleichem Maße zunahm wie die mediale Aufmerksamkeit, begann das US-Unternehmen die Aktion ihrerseits zu promoten. Und auch wenn Wilkerson die Marke von 18 Millionen Retweets bislang nicht knacken konnte, überholte sein Tweet mit bislang 3,42 Millionen Retweets den bislang am meisten geretweeteten Beitrag von Moderatorin Ellen Degeneres und sorgte damit für Berichterstattung rund um den Globus.

Am Ende konnte sich der Teenie übrigens doch noch über das Jahres-Abo an Hähnchenteilen freuen – trotz fehlender Retweets dankte ihm Wendy’s damit zweifelsohne für eine gelungene PR-Aktion.

 

Heinz und die Mad Men-Werbung von vor „50 Jahren“

Auch wenn die mehrfach ausgezeichnete TV-Serie Mad Men bereits 2015 zu Ende ging, sorgte sie kürzlich nochmal mit einer Kooperation mit Ketchup-Urgestein Heinz für reichlich Aufmerksamkeit.

So ließ Heinz kürzlich wissen, dass sie eine Reihe von Werbeaktionen das Go gegebenen haben, die von keinem anderen als von Mad Men-Hauptcharakter Don Draper innerhalb der Serie vorgestellt wurden. So erklärte Draper in der Episode „To Have and to Hold“ aus Staffel 6 (erstmals 2013 ausgestrahlt) der versammelten Heinz-Führungsriege, eine Kampagne würde komplett ohne Produkt auskommen: „Der Konsument wird den Gedanken zu Ende führen. Das Produkt wird in ihrer Fantasie ergänzt und das macht das Ganze noch kraftvoller“. Für diesen Einfallsreichtum belohnte Heinz die fiktionale Werbeagentur von Draper nun nachträglich.

Diese und viele andere Beispiele zeigen, dass PR-Aktionen heutzutage durchaus noch funktionieren können. Wichtig für den Erfolg sind keine großen Budgets, sondern die Idee, die es schaffen muss, Medien zu begeistern. Und während soziale Medien häufig nur als Plattformen zum Verbreiten von Nachrichten begriffen werden, zeigt das Beispiel des US-Teenagers Wilkerson, dass sie auch selbst entscheidender Teil eines PR-Stunts sein können. Die wirklich erfolgreichen Aktionen heben sich letztlich vor allem durch ihre innovativen Ideen und der Fähigkeit, für einzigartige Bilder zu sorgen, von der Masse ab.

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