written by
Bernhard Oberlechner
Food for Thoughts
2018-12-05

Hänsel und Gretel und die besten Rezepte für „Kleine-Jungen-Braten“. Oder: Wie funktioniert eigentlich transmediales Storytelling?

Hänsel und Gretel und die besten Rezepte für „Kleine-Jungen-Braten“. Oder: Wie funktioniert eigentlich transmediales Storytelling?

Entertainment is the new marketing. Dieser Spruch ist nicht neu, gilt meiner Meinung nach aber heute mehr denn je zuvor. In einer Zeit, in der Unmengen von Input auf immer neuen Kanälen um die Aufmerksamkeit der Zuschauer ringen, muss Marketing einfach unterhalten. Und der Schlüssel dazu ist gutes Storytelling – was in der digitalen Welt nichts anderes als „transmediales Storytelling“ bedeutet. Speziell Unternehmen, die Unterhaltung bzw. Content als Produkt vermarkten, müssen hier in Zukunft brillieren und immer aufs neue Pionierarbeit leisten.

Aber was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „transmediales Storytelling“? Versuchen wir es uns anhand eines ganz einfachen und allseits bekannten Beispiels klarzumachen: Der Geschichte von „Hänsel und Gretel.“ Stellen wir uns vor, sie zu verfilmen und zu vermarkten.

Natürlich erzählen wir die zentrale Geschichte von den beiden Kindern und der bösen Hexe über unseren wichtigsten Kanal, sagen wir einfach mal TV, als aufwändige Produktion. Anstatt jetzt aber diese Kernstory einfach eins zu eins auch über andere Medien zu erzählen (das wäre dann übrigens das klassische multimediale Storytelling), bohren wir die Geschichte auf, erschließen das ganze Universum dahinter, schaffen neue Erzählstränge und Inhalte rund um die Hauptgeschichte und spielen diese sowohl medien- als auch zielgruppenadäquat auf allen möglichen Kanälen aus. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Vielleicht hat die Hexe ihren eigenen Instagram-Account, teilt Fotos und Rezepte von Pfefferkuchen und „Kleine-Jungen-Braten“ mit uns. Vielleicht werden diese Rezepte – natürlich nur die für Pfefferkuchen – dann auch in unseren erfolgreichen Backshows umgesetzt. Vielleicht orientieren wir uns aber auch an einem der erfolgreichsten (und ersten) Transmedia-Formate, dem „Blair Witch Project“ und erwecken online den Eindruck, als würde hinter dem alten Märchen eine wahre Geschichte stecken. Vielleicht taucht auch ein Nebencharakter (z. B. ein Mädchen mit einem auffälligen roten Käppchen) in der Story auf, der sich im Nachgang als Hauptfigur der nächsten Märchenverfilmung entpuppt. Auf jeden Fall bieten wir aber z. B. über Youtube den Fans die Möglichkeit, jede Menge Hintergründe zu der Geschichte zu entdecken, z. B. mit Dokus über die Entstehung der Grimmschen Märchen, über die „Hexen der Neuzeit“ und Ähnliches.

All diese nur beispielhaften Ideen funktionieren als eigenständiger, unterhaltsamer Content – aber eben auch als Marketinginstrument für die eigentliche Hauptproduktion. Oder anders gesagt: The new marketing... is entertaining.

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