written by
Tilo Bonow
Marketing
2017-02-19

Schneller, näher, ganzheitlich: Wie gute PR im Jahr 2017 aussehen sollte

Schneller, näher, ganzheitlich: Wie gute PR im Jahr 2017 aussehen sollte

Das Internet ist voll mit Tipps und Tricks für die perfekte Öffentlichkeitsarbeit. Wer allein nach “PR Tipps” googelt, dem spuckt die Suchmaschine über 600.000 Ergebnisse aus. Meist werden in Blogbeiträgen oder auf Ratgeberseiten grundsätzliche Fragen geklärt: Wie pitche ich richtig, welche Geschichte muss ich erzählen, wie erreiche ich meine Zielgruppe und wie gehe ich mit Journalisten angemessen um? All das sind wichtige Basics solider Pressearbeit, doch in der Praxis reichen die Standard-Instrumente bei Weitem nicht mehr aus. “Out-of-the-Box-thinking” ist gefragt, denn zu viel hat sich in den letzten Jahren sowohl technisch als auch im Mindset der Branche verändert. Hier sind drei Trends samt Tipps für Unternehmen, die 2017 medial ganz vorne mit dabei sein wollen.

#1 Echtzeit-PR: Wer zu spät kommt, den bestrafen die Medien

Als Unternehmen lohnt es sich immer, den eigenen Markt zu beobachten und die aktuellsten und am heißesten diskutierten Themen seiner Branche auf dem Schirm zu haben. Nicht nur, um auch die Konkurrenz im Auge zu behalten, sondern auch um Trends und Inhalte herauszufiltern, zu denen medial am meisten berichtet wird. Denn dies ist der wichtigste Bestandteil von Echtzeit-PR. In der Praxis wenden bisher nur wenige Unternehmen dieses PR-Tool an, das sich im Wesentlichen einen medialen Hunger nach O-Tönen und Expertenmeinungen zu Nutze macht. Der wichtigste Grundsatz: Tut sich in den Medien ein Thema auf, zu dem es sich aus Unternehmenssicht lohnt, sich zu positionieren, gilt es, schnell zu handeln.

Am besten lässt sich das Prinzip der Echtzeit-PR wohl an einem Praxisbeispiel verdeutlichen: So veröffentlichte Applause, einer der führenden Anbieter im Bereich App-Testing, ein Statement zum Start der Apple Watch vor gut zwei Jahren. Der Clue: Das US-Unternehmen reagierte innerhalb einer Stunde und versorgte die Journalisten bereits kurze Zeit nach Ende der Produktvorstellung mit einer Einschätzung zu Innovationskraft und Markterfolg der Smartwatch. Im Ergebnis tauchte Applause in diversen Artikeln rund um das Thema auf und konnte sich damit medial als Experte für vernetzte Geräte positionieren. Dabei ist der richtige Zeitpunkt von eminenter Bedeutung für den Erfolg von Echtzeit-PR. Denn es gilt die alte Regel: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – oder eben die Medien.

 

#2 Live dabei: Warum nicht von Jan Böhmermann lernen?

 

Bewegtbild ist besonders in diesem Jahr Trumpf, auch und gerade aus PR-Sicht. Dabei ist YouTube längst nicht mehr der einzige Kanal, der es Unternehmen ermöglicht, über bewegten Content zu kommunizieren. Spätestens seit dem letzten Jahr rollt geradezu eine Live-Welle durch die sozialen Netzwerke. Nahezu jede Social Media-Plattform, die etwas auf sich hält, verfügt mittlerweile über eine Live-Funktion. Ein Tool, das auch aus PR-Sicht immer relevanter wird: Marken können schnell und unkompliziert in direkten Kontakt mit ihren Stakeholdern treten, wichtige Themen können unmittelbar kommuniziert und Fragen geklärt werden.

Und warum an dieser Stelle nicht auch etwas von Jan Böhmermann lernen? Der deutsche Satiriker nutzt Facebook Live so intensiv und geschickt wie keine zweite Person des öffentlichen Lebens. Regelmäßig gibt er Einblicke hinter die Kulissen seiner Sendung, erzählt Anekdoten und macht am Ende nichts anderes als kluge (und lustige) Öffentlichkeitsarbeit für seine Person und seine Formate. Böhmermann lädt seine Fans regelmäßig zu kleinen Pressekonferenzen ein. Und hier wird es spannend für Unternehmen: So könnten Marken mit regelmäßigen Live-Q&As Transparenz schaffen und sich gleichzeitig wichtiges Feedback einholen. Definitiv eine sinnvolle Ergänzung zum gängigen Portfolio an PR-Möglichkeiten.

 

 #3 PR & Marketing: Gemeinsam stark

 

Wo fängt klassische PR an, wo hört Marketing auf? Die Grenzen zwischen beiden Kommunikationsdisziplinen verschwimmen zusehends. Trennlinien, die früher noch klar erschienen, greifen heute nur noch bedingt. Neben Content-Marketing, das seit einigen Jahren auch die klare Abgrenzung zum Journalismus mehr und mehr in Frage stellt, findet der Einsatz von Influencern immer häufiger disziplinübergreifend statt. Das simple aber effektive Prinzip: YouTuber oder Instagramer werden zu Markenbotschaftern von Unternehmen, bewerben Produkte oder trommeln für das Markenimage.

 

Dabei sind 2017 vor allem Kampagnen mit sogenannten Micro-Influencern immer gefragter. Und das aus zwei einfachen Gründen: Einerseits sind Micro-Influencer schlicht günstiger als die großen Namen der Szene, da sich die Anzahl ihrer Followern meist nur im unteren Mittelfeld zwischen 1.000 und 100.000 Followern bewegen. Andererseits sind sie für Unternehmen von immer höherem Wert, da das Engagement der Follower überproportional hoch ist. Das zeigen auch Zahlen einer Studie von Markerly: Je größer die Follower-Base, desto geringer wird die Follower-Aktivität. So weisen beispielsweise Instagram Influencer mit weniger als 1.000 Followern für ein Posting eine Like-Rate von etwa 8 Prozent auf, während Instagramer mit 1.000 bis 10.000 Followern eine Like-Rate von nur 4 Prozent verzeichnen können.

 

Einen spannenden Use Case liefert das französische Unternehmen Withings: Passend zum Weihnachtsgeschäft sollten die smarten Fitness-Uhren der Marke beworben werden. Hierfür wurden insgesamt 18 Micro-Influencer auf Instagram aktiviert, die sich mit den Themen Sport & Fitness, Social Life, Fotografie und Healthcare beschäftigen. Die Follower-Base reichte von 1.500 bis zu 157.000 Followern. Durch die große Zielgruppenbindung der Micro-Influencer und die stärkere Engagement-Bereitschaft der Follower, fiel das Ergebnis dementsprechend gut aus: Rund 11.600 Likes und über 500 Kommentare machten diese Kampagne zu einem vollen Erfolg.

Nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, wie wichtig es ist, PR- und Marketing-Aktivitäten nicht unabhängig voneinander zu betrachten und zu planen. Denn: Marketing- und PR-Ziele sind oftmals die gleichen, neue Marketing-Formen wie Influencer-Marketing können sinnvolle Verbindungen zwischen den Disziplinen und damit Synergien schaffen.

www.piabo.de

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