written by
Dorothea Schneider
Social Media
2016-09-28

Tschüss Perfektion? Wie digitale Kurzlebigkeit und Authentizität die sozialen Netzwerke erobern

Tschüss Perfektion? Wie digitale Kurzlebigkeit und Authentizität die sozialen Netzwerke erobern

Mit dem Aufbekommen von Snapchat und Instagram Stories werden über Jahre hin bewährte Kommunikationsmuster von Unternehmen in Frage gestellt. Müssen Perfektion und Inszenierung einer neuen Authentizität weichen? Eine Analyse.

W

ir hatten uns so daran gewöhnt: Social Media-Kanäle waren so etwas wie die virtuellen Tagebücher unserer Zeit geworden. Tagesereignisse wurden für die digitale Ewigkeit festgehalten, besondere Meilensteine und Wegmarken im Leben wie Geburtstage oder Hochzeiten wurden inszeniert und zelebriert. Gleiches galt bisher für die Kommunikation von Brands. Nur: Spätestens seitdem es Snapchat mit seinen Konzept des digitalen Verfallsdatums binnen kürzester Zeit geschafft hat zu dem am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerk zu werden, müssen sich Marketer rund um den Globus zwangsläufig die Frage stellen, ob nicht doch ein grundsätzliches Umdenken nötig ist. Das gilt umso mehr seitdem auch das von Facebook aufgekaufte Bilder-Netzwerk Instagram mit seiner Stories-Funktion in die gleiche Kerbe schlägt und der bisherigen Contentperfektion eine neue Spontanität entgegensetzt.

Die neue Nähe zum User

Und genau diese können sich Marken nun auch zu Nutze machen. Denn anders als bisher geben die neuen Tools Marketingverantwortlichen die Möglichkeit an die Hand, eine neue Nähe zur Zielgruppe auszubauen. Das Rezept: spontane Momentaufnahme in Kombination mit Einblicken hinter die Kulissen sorgen für Authentizität und schaffen damit eine stärker Bindung zur Kundschaft. Schnell und unverfänglich.

Die Zahlen zeigen jedenfalls, dass Marketer begeistert sind: Erst im September gab Instagram bekannt, dass mehr als 500.000 Werbetreibende bereits auf der Plattform aktiv sind. In den letzten sechs Monaten hat sich diese Zahl demnach verdoppelt. Laut Instagram-Angaben haben sich seit Mai 2016 bereits über 1,5 Millionen Unternehmen einen Business-Account auf der Plattform angelegt.

Aber bedeutet das nun das Aus für die antrainierten Kommunikationsmechanismen der Facebook-Ära? Darauf ein ganz klares Jein! Zum Vergleich die aktuellen Zahlen von Facebook und Twitter: im April 2016 gab Facebook an, momentan drei Millionen aktive Werber auf der Plattform zu haben, im vierten Quartal 2015 waren es bei Twitter gerade mal 130.000.

 

Der Mix macht’s

Natürlich müssen sich auch diese über Jahre hin beliebten Schemata dem aktuellen Zeitgeist anpassen, doch zeigen intelligente CrossChannel-Kampagnen wie die von Dolce Gabbana, dass es weniger um Verdrängen als viel mehr um mutiges und durchdachtes Ergänzen geht.

Das Konzept: Um die Frühling/Sommer-Kollektion für 2017 zu promoten, lud das italienische Luxus-Mode-Haus einige der erfolgreichsten Influencer zu ihrer Fashion-Show im September ein. Und sie haben natürlich gerne mitgemacht: Die deutsche Influencerin Caroline Dauer (743.000 Fans auf Instagram, 74.9000 auf Facebook) snappte und instragrammte den ganzen Abend über.  Während auf Facebook und Instagram klassiche Hochglanz-Fotos gespielt wurden, wurde der Mix durch Instagram Stroies und zahlreiche Snaps ergänzt, die ihren Followern einen Blick hinter die Kulissen in Mailand ermöglichten.

Instagram Stories
Snapchat / Facebook
Instagram / Facebook

Ein Beispiel, das zeigt, wie nützlich die neuen Plattformen sein können, wenn sie richtig genutzt werden. Dabei gilt wie überall: Die gewählten Maßnahmen und Kanäle müssen letztlich zum jeweiligen Unternehmen passen, doch ein bisschen mehr Nähe zur Zielgruppe und Authentizität schadet wohl letztlich keiner Marke.

teilen: