written by
Ursula Querette
Marketing
2016-12-20

Was bringt ein Börsengang eigentlich fürs Marketing?

Was bringt ein Börsengang eigentlich fürs Marketing?
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chon 2015 hat unser Bundeswirtschaftsminister die Ära der Unternehmensgründer ausgerufen. Die deutsche startup Kultur, der Pioniergeist müsse wiederbelebt werden. Entscheidend dafür nannte er die erfolgreiche Finanzierung. Und so sollten mehr Wachstumsunternehmen an die Börse gebracht werden, mehr öffentliche Mittel für Wagniskapitalfinanzierungen bereitgestellt und die steuerlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital verbessert werden.

Neues Börsensegment für Wachstumsunternehmen

Zum Thema Börsengänge von Wachstumsunternehmen hat sich nun auch die Deutsche Börse zu Wort gemeldet und ein neues Börsensegment ins Leben gerufen, das speziell auf die Bedürfnisse dieser Unternehmen zugeschnitten sein soll. Ab dem 1. März 2017 wird das neue Segment die bisherige Einstiegsplattform Entry Standard ersetzen. Damit will die Börse den Zugang zu Investoren und Wachstumskapital für kleinere und mittlere Unternehmen verbessern und die Finanzierung von Wachstum ermöglichen (http://deutsche-boerse.com/dbg-de/presse/pressemitteilungen/Neues-SME-Segment-soll-Unternehmen-Zugang-zu-Wachstumskapital-erleichtern/2812500).

Um Fehler der Vergangenheit zu vermeiden (Stichwort: Neuer Markt), wird ein sogenannter Capital Market Partner im Rahmen eines Due Diligence-Prozesses die Kapitalmarkteignung des Unternehmens sicherstellen. Außerdem müssen die Unternehmen einen Börsenwert von mehr als 30 Mio. Euro auf die Waage bringen und mindestens drei der fünf folgenden Kriterien erfüllen (Größen, die sich nicht mit Gründergeist allein sondern in der Regel nur durch strategische und vor allem finanzielle Unterstützung von pre-IPO-Investoren erreichen lassen):

  • Umsatzerlöse: mindestens 10 Mio. Euro,
  • positiver Jahresüberschuss,
  • positives Eigenkapital,
  • Nachweis erfolgreicher Einwerbung (extern) von mindestens 5 Mio. Euro Eigenkapital,
  • mindestens 20 Mitarbeiter.

Zu den Folgepflichten gehören von der Deutschen Börse in Auftrag gegebene Research-Berichte sowie die Anforderungen, die sich aus der Marktmissbrauchsverordnung ergeben (Ad-hoc-Publizität, Insiderlisten, Managers' Transactions), jedoch keine IFRS-Rechnungslegung und keine Quartalsberichterstattung.

Über derartige Börsengänge können sich die IPO-Kandidaten nicht nur zusätzliches Kapital beschaffen, sie bieten auch eine sehr gute Exit-Möglichkeit für die Gründer, Venture Capital und Private Equity Investoren, die die Unternehmen bis hierhin begleitet haben. Bleibt die Frage, ob sich für die Unternehmen auf dem Weg an die Börse nicht noch mehr herausholen lässt.

 

Positiver Marketing-Effekt

Denn ein häufiges Problem gerade kleiner Wachstumsunternehmen ist ihr geringer Bekanntheitsgrad bzw. ihr eingeschränktes Marketing-Budget. Daher ist oft der Börsengang das Schlüsselereignis für einen weiteren Schub in der Visibilität eines Unternehmens. Dies geschieht insbesondere durch aktive Presse- und Medienarbeit rund um das Ereignis. So bietet ein Börsengang einen hervorragenden Anknüpfungspunkt für Journalistengespräche und damit die Möglichkeit, das eigene Unternehmen schlagartig einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

 

Darüber hinaus sollte die Gelegenheit genutzt werden, Geschäftspartner, Lieferanten, Kunden, Mitarbeiter etwa über die Webseite, Social Media Aktivitäten oder Mailings direkt anzusprechen. Denn auch für diese Zielgruppen ist ein Börsengang im wahrsten Sinne bemerkenswert. Er vermittelt ein Gefühl von Größe und finanzieller Stärke, was besonders im B2B Geschäft mit Großkunden relevant ist. Wir hören regelmäßig von Unternehmen, die den Schritt an die Börse gewagt haben, dass sie von ihren Kunden stärker wahrgenommen werden und höhere Anfragen von Neukunden verzeichnen.

 

Eine win-win-win-situation

Glaubt man den Kapitalmarktexperten, so wird es im kommenden Jahr eine zunehmende Zahl von Börsengängen in Deutschland geben. Vielleicht sind auch ein paar junge Wachstumsunternehmen für das neue Börsensegment dabei. Und vielleicht kann auch der ein oder andere Gründer sein hart verdientes „Sweat-Equity“ in „Sweet Money“ umwandeln. Dies würde dann nicht nur der deutschen Gründerkultur einen Schub verleihen sondern auch den Wachstumsunternehmen zu neuem Geschäft und neuen Kunden verhelfen – und das ganz ohne zusätzliches Marketingbudget!?

 

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