written by
Christoph Kull
Global Trends
2020-03-24

Wie Adobe online Vertrauen schafft

Wie Adobe online Vertrauen schafft

Wie stellen wir sicher, dass die Inhalte, die im Internet veröffentlicht werden, unverändert bleiben? „Das können wir nicht“, sagt Christoph Kull, Vice President & Managing Director Central Europe bei Adobe. „Das Mindeste, was wir tun können, ist etwaige Änderungen transparent zu machen.“ Wir sprechen mit Christoph Kull über die neue „Content Authenticity Initiative“ des Softwareunternehmens, über Vertrauensbildung im Internet und darüber, welche Relevanz die Kennzeichnung von Online-Inhalten für Vermarkter hat.

Im November 2019 hat Adobe gemeinsam mit der New York Times und Twitter die „Content Authenticity Initiative“ (CAI) gestartet. Worum geht es bei der Initiative?



In unserer zunehmend digitalisierten Welt werden Inhalte und Informationen schneller als je zuvor produziert und veröffentlicht. Doch es mangelt oftmals an Transparenz und die Menschen fühlen sich verunsichert, wenn sie nicht wissen, wer die Inhalte bearbeitet hat und was daran verändert worden ist. Wir wollen deshalb einen Industriestandard zur Kennzeichnung digitaler Inhalte etablieren. So möchten wir das Vertrauen zwischen denjenigen, die Informationen und Inhalte veröffentlichen, und ihrem Publikum stärken. Als Partner tragen wir eine gemeinsame Verantwortung, die aktuelle Situation zu verbessern. Adobe steht für die Welt der Bewegtbilder und Fotos, die New York Times für die Medien und Twitter für die Sphäre der Plattformanbieter. Wir glauben, dass die Bündelung unserer Kräfte den Fortschritt in Richtung mehr Authentizität im Netz beschleunigen wird.

Was sind die Ziele der CAI? Wer wird von ihr profitieren?



Sowohl die Content Creator als auch die User werden davon profitieren: Die User, weil sie einen klaren Bearbeitungsverlauf für die von ihnen konsumierten Inhalte einsehen können und die Content Creator, weil sie mit der CAI Authentizität und Transparenz beweisen. Wir wollen damit nicht verhindern, dass Inhalte bearbeitet werden; im Gegenteil, manchmal ist dies sogar erwünscht und notwendig. Wir glauben jedoch daran, dass Änderungen für die Endverbraucher deutlich erkennbar sein sollten.

Ihr Ziel ist es, dass jedes Unternehmen diese digitale Kennzeichnung für seine Inhalte umsetzen kann. Wie könnte das aussehen?

Wir arbeiten noch daran, wie das endgültige System aussehen wird. Aber im Großen und Ganzen sollen Online-Inhalte – sei es ein Bild oder ein Video – eine Markierung innerhalb eines geschützten Bereichs enthalten, die Informationen über den Urheber und den Bearbeitungsverlauf enthält. Nehmen wir zum Beispiel einen Fotografen, der ein Bild von einem wichtigen politischen Ereignis macht. Vielleicht war das Licht während der Aufnahme nicht ausreichend und jemand bearbeitet das Foto anschließend, um die Belichtung zu verbessern. Die Bearbeitung sowie der Grund der Änderung könnte mit unserer Software dokumentiert werden und für den Betrachter transparent gemacht werden. Wir fühlen uns in dieser Hinsicht besonders verantwortlich, da die große Mehrheit von Bildern und Videos im Internet mit Adobe-Produkten bearbeitet wird.

Wie relevant ist das Thema Content Attribution für andere Geschäftsbereiche?

Äußerst relevant. Zum Beispiel im Marketing, wo Fotos für die Produktwerbung verwendet werden. Der Endkunde möchte wissen, inwieweit die Bilder, auf die er sich bei seiner Kaufentscheidung stützt, bearbeitet wurden. Indem man diesen Prozess transparent gestaltet, baut man eine engere, vertrauensvolle Beziehung zum Kunden auf. Und letztendlich sind mehr Kunden bereit, ihre wertvollen First-Party-Daten mit Marken zu teilen, die sie sie als verlässlich wahrnehmen. Heutzutage verschwimmen die Grenzen zwischen Kommunikator und Rezipient, sie treten in eine wechselseitige Beziehung insbesondere in Hinblick auf nutzergenerierte Content-Kampagnen. Bei Adobe sagen wir immer: „Jeder hat eine Geschichte zu erzählen" – und dabei müssen Marken den Inhalten vertrauen, die sie von ihren Kunden erhalten. Das Ganze funktioniert also in beide Richtungen.

Wir leben in Zeiten von viralen Fake News, Hasskommentaren und Fehlinformationen. Warum ist ein Industriestandard für die Zuordnung von digitalen Inhalten so wichtig?

Gefälschte Nachrichten haben viele Ursachen und eine klare Zuordnung von Inhalten sowie eine größere Transparenz können sicherlich zur Lösung des Problems beitragen. Indem man den Usern oder Kunden vor Augen führt, woher der Inhalt stammt und wie er im Laufe der Zeit verändert wurde, können diese klar erkennen, wie wahrhaft der Content ist. Es braucht hier einen Verbund aus Verantwortlichen, damit hier wirkungsvoll Abhilfe geschaffen werden kann. Auf Seiten der Kreativen, der Medienhäuser und Plattformen, aber natürlich auch auf Seiten der Nutzer. Attribution ist nur ein Teil der Lösung. Medienkompetenz und ein verantwortungs- und respektvoller Umgang spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Laut Adobe basiert das Online-Vertrauen auf drei Säulen: Bildung, Erkennung und Zuschreibung. Inwieweit adressieren Sie die ersten beiden Säulen?

In Bezug auf Bildung ist es uns stets ein Anliegen, das Online-Vertrauen zu fördern. Wir setzen uns dafür ein, den Verbrauchern zu einem besseren Verständnis und einem höheren Urteilsvermögen im Hinblick auf die digitalen Medien zu verhelfen. Diesen Monat haben wir zudem unseren zehnten jährlichen “Adobe Digital Trends 2020“-Report veröffentlicht, um wichtige Strömungen im Digital Marketing zu erfassen. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir im Rahmen der Initiative daran arbeiten, die Medienkompetenz der Verbraucher zu verbessern. Im Hinblick auf das Thema Erkennung haben wir einen technologischen Prototyp namens About Face entwickelt, der mit Hilfe künstlicher Intelligenz erkennen kann, ob ein Bild gefälscht ist oder nicht. Die Software kann selbst kleinste Veränderungen registrieren, sie sogar rückgängig machen und das Bild so in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Hier setzen wir unser Wissen auf dem Gebiet der Bildbearbeitung ein, um gefälschte Inhalte aufzuspüren und letztlich Gutes für die Gesellschaft zu tun.

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