written by
Bernhard Oberlechner
Food for Thoughts
2018-09-02

Zusammenarbeit von Marketing und Produktentwicklung oder: Der Wurm muss dem Fisch schmecken... aber vor allem der Haken muss gut greifen

Zusammenarbeit von Marketing und Produktentwicklung oder: Der Wurm muss dem Fisch schmecken... aber vor allem der Haken muss gut greifen

Interview mit Pascal Klein, Gründer und Co-CEO von Asana Rebel, über den Weg vom Verkauf von Yogamatten zur erfolgreichsten Yoga-App im Apple-App-Store.

Eigentlich ja irgendwie eine Selbstverständlichkeit: Nicht nur das Marketing sollte die Kunden ansprechen, abholen, interessieren und begeistern – sondern vor allem auch das Produkt. Weil das Marketing nur Versprechen abgeben sollte, die das Produkt dann gefälligst auch halten kann. Und wehe, wenn nicht! Denn eines ist sicher: „A great campaign will make a bad product fail faster. It will get more people to know it's bad.” (Bill Bernbach, Gründervater von DDB.)

In der Konsequenz bedeutet das nichts weniger, als dass man sich all die klassischen Marketing- Gedanken über Zielgruppen, Insights, Milieus, Bedürfnisse, Lebensumstände der Menschen, die man erreichen will etc., nicht erst machen sollte, wenn es gilt, ein fertiges Produkt an den Mann / die Frau zu bringen. Sondern viel früher. Direkt zu Beginn der Produktentwicklung. Oder noch besser sogar schon vorher, nämlich dann, wenn es gilt, lohnende Themen, gesellschaftliche Trends / Needs und Strömungen zu erfassen, auf deren Basis sich relevante Produkte entwickeln lassen.

Wie immer sind manche Branchen hier viel, viel weiter als andere. Einer der klaren Vorreiter dürfte die Spielzeugindustrie sein. Hier hat schon in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts das Marketing ganz wesentlich mit entschieden oder gar vorgegeben, welche neue Action-Figur bei Mattel entwickelt wird und welche neuen Lebenswelten für Barbie erschlossen werden mussten. Und Lego ging in den letzten Jahren sogar noch einen gewaltigen Schritt weiter. Sie haben erkannt, dass sie viel besser damit fahren, Welten, Storys und Universen wie „Ninjago“ zu entwickeln und diese über Filme, Serien und Comics vor allem auch digital und on demand bis ins letzte Kinderzimmer hinein auszurollen, um dann ihr eigentliches Kernprodukt „Spielzeug“ kräftig zu verkaufen (neben Kindergartentaschen, Schulranzen, Bekleidung und dem ganzen restlichen Lizenzgeschäft.)

Dieser Schritt war nur möglich, weil man von Anfang an anders vorging und sich all der Insights bediente, die Marketing in vielen anderen Branchen leider noch immer viel zu spät mit an den Tisch bringt. Nicht, weil sie nicht eher könnten. Sondern weil sie vorher eben nicht hinzugebeten werden. Das ist ein schwerer Fehler. Aber auch eine Chance, es besser zu machen. Wenn nicht gar eine Verpflichtung.

Denn: Wenn der Haken nicht greift, kann man gleich ohne fischen. Und wie erfolgreich das ist, kann sich auch jeder Nicht-Angler vorstellen.

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