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Valeria Witsch

Strategy & Insights

SevenOne AdFactory GmbH

Valeria Witsch verantwortet seit Juni 2017 den Bereich Strategy & Insights innerhalb der SevenOne AdFactory, nachdem sie bereits im Business Development der SevenOne AdFactory, sowie im B2B-Marketing für ProSiebenSat.1 gearbeitet hat. Valeria hat an der FU Berlin Volkswirtschaftslehre und im Anschluss an der Erasmus Universität in Rotterdam Behavioral Economics (M.Sc.) studiert. Sie konzentriert sich auf strategische Markenberatung basierend auf der Beobachtung und Analyse von Konsumentenverhalten und Marktentwicklungen.

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Tom Schwarz

Geschäftsführer

SevenOne AdFactory GmbH

Tom Schwarz ist seit 1. Juni 2016 Geschäftsführer Kreation beim ProSiebenSat.1 360-Vermarkter SevenOne AdFactory. Zuvor verantwortete der Diplom-Designer knapp fünf Jahre lang die kreative Gesamtleitung der Agentur bei Ogilvy & Mather, Düsseldorf. Weitere Stationen seiner Karriere waren die Kreativgeschäftsführung bei Jung von Matt/Spree und Jung von Matt/Donau, sowie DDB Düsseldorf.

Für seine Arbeit wurde der geborene Bayer mit über 400 nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet.


Behavioral Bites -
Strategien und Einblicke für Unternehmen

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Valeria
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In einem neuen, monatlich erscheinenden Beitrag beschäftigen sich SevenOne AdFactory-CEO Tom Schwarz und Strategy und Insights Managerin Valeria Witsch ab sofort mit menschlichem Verhalten und was diese Erkenntnisse für junge Marken
und deren Marketingstrategien bedeuten können.

Das Strategy und Insights Team der SevenOne AdFactory spezialisiert sich auf die Entwicklung von kreativen Markenstrategien basierend auf der Beobachtung und Analyse von Behavioral Insights und Marktentwicklungen.

Ökologie statt Organigramm

 von Valeria Witsch

Innovation ist eine Kulturfrage und alles beginnt mit der Bereitschaft Neues zu probieren. Was einfach klingt, ist in Wahrheit unheimlich kräftezehrend. Denn es geht gegen alles, was wir kulturell in Organisationen verankert haben: Organisationen sind auf den Selbsterhalt gepolt und Veränderung wird oftmals als Bedrohung wahrgenommen. Die Wurzeln liegen so tief, dass sich das sogar sprachlich bemerkbar macht. Worte wie beispielsweise „Querdenker“ sind negativ konnotiert. Ein Querdenker ist auch ein Störenfried, jemand, der sich nicht linientreu in bestehende Strukturen eingliedert. Erfolgreiche Innovation fängt also beim Sprachgebrauch an. Die richtige Wortwahl fällt nicht immer leicht, aber sie trägt definitiv dazu bei, die Dinge besser einzuordnen und ihnen einen angemessenen Wert zu verleihen.

Der kreative Input eines jeden Mitarbeiters ist wichtiger, mehr als körperliche Anstrengung bzw. schiere Präsenz am Arbeitsplatz. Wir müssen also auch in dieser Hinsicht lernen, loszulassen. Feste Bürostrukturen und -zeiten sind keine optimalen Rahmenbedingungen für eine innovative Unternehmenskultur: denn je komplexer diese werden, desto mehr Raum nehmen sie ein – auch und insbesondere in den Köpfen der Mitarbeiter. Jeder bewegt sich innerhalb des abgesteckten Spielfelds, Silos entstehen, Wissen kann nicht mehr frei zirkulieren.

Wir brauchen das Vertrauen, dass jenseits der bereits definierten Horizonte, spannende Möglichkeiten auf uns warten. „Wer verkniffen das kleine flackernde Pünktchen am Himmel fixiert, sieht wenig. Wir sehen am Rande der Pupille am besten. Dort liegen die Überraschungen.“ (Wolf Lotter)

The World Wild West

 von Valeria Witsch

Das Internet hat unsere Gesellschaft von einer Industrie- in eine Wissenskultur katapultiert. Jeder hat Zugang zu Informationen, Kommunikation über große Distanzen ist alltäglich geworden und potenzielle Zielgruppen für wirtschaftliche Interessen, sind nur noch wenige Klicks entfernt. Während der Marktzugang für Marken einfacher geworden ist, ist das langfristige Überleben deutlich schwieriger. Online gilt, wie im Wilden Westen,das Prinzip „Survival of the Fittest“, und in der Konsequenz „The Winner Takes All“. Paradoxerweise erleben wir also neben der eingangs genannten Demokratisierung von Möglichkeiten, eine Machtkonzentration auf wenige Schultern. Und sämtliche Gewinner dieser Entwicklungen haben eines gemeinsam: Sie verstehen ihre Konsumenten besser als andere und sind sich der kognitiven Verzerrungen bewusst, die die Konsumenten umtreiben.

Amazon ist schon lange Vorreiter auf diesem Gebiet.Die 1-Click-Economy ist die perfekte Antwort auf unsere Faulheit und verdankt ihren Erfolg genau diesem, extrem starken Consumer-Insight. Wie Daniel Kahneman esausdrückt: “A general “law of least effort” applies to cognitive as well as physical exertion. […] if there are several ways of achieving the same goal, people will eventually gravitate to the least demanding course of action. […] Laziness is built deep into our nature.” Was nach außen extrem funktional erscheint, ist in Wahrheit eine sehr instinktive, emotionale Customer Experience. Ein anderer starker Consumer Insight ist z.B., dass zu viele Inhalte und Klickmöglichkeiten den Konsumenten überfordern und in der Konsequenz, mangelnde Kaufmotivation verursachen können (Choice Overload). Wenn es um E-Commerce geht, sind es die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen. Allein die Reihenfolge, in der verschiedene Kaufoptionen dargestellt werden, beeinflusst unsere Wahl (Framing).

Und, dass ein psychologisches Verständnis für die Konsumenten nicht nur im Internet, sondern auch für Offline-Geschäfte relevant ist, zeigt IKEA, nach denen sogar ein Cognitive Bias benannt wurde. Als IKEA-Effekt wird in der Verhaltensökonomik die gesteigerte Wertschätzung bezeichnet, die selbst zusammengebauten Gegenständen im Vergleich zu fertigen Massenprodukten entgegengebracht wird.

Google & Amazon = NASA

by Tom Schwarz

Die Römer bauten und perfektionierten das Straßensystem und wurden zur Weltmacht. Die Briten taten das Gleiche auf dem Seeweg und stiegen zum Empire auf. In Zeiten des Kalten Krieges dachte man: Wer die Möglichkeit hat, den Weltraum zu beherrschen, wird die Welt beherrschen. Und es begann der Wettlauf zum Mond. In dieser Zeit des kalten Krieges entstand auch das Internet. Es war ein Projekt, um im Falle eines Atomkrieges mit diesem System eine störungsfreie Kommunikation zu ermöglichen.

Und wie ist es heute? Wer die Möglichkeit hat, das Internet zu beherrschen, wird die Gesellschaft beherrschen. Heute diktiert der die Welt, der sie beeinflussen kann. Trump beherrscht (leider) diese Spielregeln ebenso die Digital Giants. Keine Grenzen, keine Diktaturen und Verbote können diese Entwicklung aufhalten. Sie sind mächtiger als jede Waffe und verbreiten sich schneller als jede Epidemie. Heute bringen 140 Zeichen ganze Systeme zum Einsturz.

Tausende von Wissenschaftlern forschten an Raketen, Atombomben und Killersatelliten, ohne zu wissen, dass die Lösung in einem kleinen „Spin-off“ verborgen war. Der Schlüssel zur Weltherrschaft lag in der „Kommunikation“, die sie untereinander für den Notfall entwickelt hatten. Ergo: Große Dinge sieht jeder mit geschlossenen Augen. Aber, es sind die vermeintlich kleinen, welche die Trennlinie zwischen Erfolg und Versagen markieren.

google and amazon is nasa

A VISIONARY, VISION IS SCARY

von Valeria Witsch

Von Wortspielen und der Liebe zum Status Quo

„A visionary, vision is scary”, ist vieles gleichzeitig: Wortspiel, Eminem-Zitat und Beschreibung des Zwiespalts, in dem wir Menschen uns oft befinden.

Offenheit gegenüber Veränderung ist enorm wichtig und doch fällt sie uns Menschen schwer. Gewohnheit verspricht Geborgenheit. Wir haben es uns im Status Quo gemütlich gemacht, zumindest damit arrangiert – alles ist besser als sich aus der Reserve locken zu lassen. Niemand möchte verantwortlich sein, wenn auf die Veränderung eine Verschlechterung der Ausgangssituation folgt. 

Doch genau da liegt der (Angst-)Hase im Pfeffer: Nicht wer Neues wagt, verschlechtert die Situation, sondern wer immer das Gleiche tut. Das gilt in der schnelllebigen Welt von heute mehr denn je. Marken und die Menschen dahinter müssen anpassungsfähig bleiben und sich eine Lernfähigkeit erhalten. Das erfordert eine Kultur, die Fehler zulässt und Spielräume, die man sich in Zeiten von durchoptimierten Zeit- und Budgetplänen immer härter erkämpfen muss. Wie Simon Sinek es so treffend formuliert: „Ziel im Business ist es nicht zu gewinnen, sondern im Spiel zu bleiben.“

Das gefühlte Unikat

von Valeria Witsch

Werbung in Zeiten der Individualisierung

Wir leben in einer On-Demand Kultur. Alles, was das Herz begehrt, ist nur einen Klick entfernt und wird nahezu in Echtzeit an den Ort unserer Wahl geliefert – ein Sinnbild für die fortschreitende Individualisierung der Gesellschaft.

Gleichzeitig wird durch diese Entwicklung nicht aufgehoben, was tief in uns allen verankert ist: Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Es entsteht ein Trade-Off zwischen Individualismus und Gemeinschaft.

Bezogen auf Konsum und Produkte, brauchen wir solche, die sich wie echte Unikate anfühlen und die gleichzeitig, durch ihre Signalwirkung, Zugehörigkeit zu einer Gruppe ermöglichen. Apple macht es vor und stellt das „Ich“ in den Mittelpunkt der Kommunikation, während es Produkte mit enormer Signalwirkung verkauft.

Und genau das ist das Ziel: die Auflösung des inneren Konflikts zwischen Individualität und Zugehörigkeit. Marken können uns dabei unterstützen, indem sie Haltung zeigen und Identifikationsfläche bieten.