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SevenVentures
Global Trends
2019-05-21

Die drei besten Marketing-Stunts in Sachen Umweltschutz

Die drei besten Marketing-Stunts in Sachen Umweltschutz

Am Thema Umweltschutz kommt aktuell niemand vorbei: Eine alarmierende Statistik zum Zustand unseres Planeten jagt die nächste. Das führt dazu, dass wir Nein zu Einwegplastik sagen und sogar unsere Schulkinder dabei unterstützen, an Freitagen für das Klima auf die Straße zu gehen. Nicht wenige Marken sind bereits mit klassischer PR, großen Marketing-Stunts oder ernsthaften Eigenverpflichtungen auf den Zug aufgesprungen. Wir stellen Euch unsere drei Favoriten aus 2019 vor.

true fruits: Sag JA zu Plastik!

Environmental marketing, single-use plastic
Source: onlinehaendler-news.de

Besonders Lebensmittel- und Getränkemarken setzen vermehrt Einweg-Kunststoff in der Herstellung ihrer Produkte ein und stehen dafür vor allem von Seiten der Umwelt-Lobby stark in der Kritik. In typisch kontroverser Manier dreht der deutsche Smoothie-Hersteller true fruits, der seine Produkte nur in Glasflaschen vertreibt, den Spieß einfach um und lädt Verbraucher dazu ein, JA zu Plastik zu sagen. Warum? Der Slogan der Aktion lautet: „Glas kann kaputt gehen. Plastik bleibt für im Meer und ewig“. Auf den ersten Blick denkt der Leser „Toll!“, um dann doch noch einmal innezuhalten und sich zu wundern: Der Satz erregt Aufmerksamkeit, weil true fruits damit gegen den Strom schwimmt und gekonnt auf ein kluges Wortspiel setzt. Provokant wird die Anzeige vor allem dadurch, dass die Konkurrenzhersteller, die noch Plastikflaschen verwenden, im Meer schwimmend auf dem Plakat gezeigt werden.

Warum uns die Kampagne gefällt: Okay, wir müssen zugeben, die Konkurrenz wird schon recht unverhohlen vorgeführt (und das war schon zu Schulzeiten nie cool) – nichtsdestotrotz ist die Kampagne schlau gemacht! Anstatt feierlich zu erklären, dass das Unternehmen nie wieder Plastik verwenden wird, feiert sich true fruits einfach zu Recht dafür, dass sie es gar nicht erst angefangen haben und untermauert damit den Status als Pionier in Sachen umweltschonende Verpackung. True fruits bleibt dabei seinem gewohnt provokanten Stil treu. Und auch wenn die Kampagne nicht jedem gefallen wird, hat man doch das Gefühl, dass auch dieser Fakt dem Unternehmen herzlich egal ist. Auf jeden Fall erregt der Smoothie-Hersteller jede Menge Aufmerksamkeit beim Verbraucher – das ist doch am Ende das, worum es bei Werbung geht.

The North Face: Der Earth Day als weltweiter Feiertag

Environmental marketing, single-use plastic
Source: change.org

The North Face setzt sich seit langem schon für den Schutz unseres Planeten ein. Ist es doch eine Kernbotschaft des Unternehmens, unseren schönen Planeten zu erkunden und seine Vorzüge zu genießen. In diesem Jahr setzte die Outdoor-Bekleidungsmarke einen Marketing-Stunt um, der ganz besonders die Aufmerksamkeit der Verbraucher auf sich zog. Dabei setzten sie zuerst eine globale Petition bei change.org auf, um den Earth Day am 22. April zu einem Nationalfeiertag zu machen. Bis zum Erscheinen dieses Artikels wurden dafür bereits 192.000 Unterschriften gesammelt. Um darüber hinaus mit gutem Beispiel voranzugehen, schloss das Unternehmen an diesem Tag alle 113 Filialen in den USA und Kanada, um so den eigenen Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, „den Planeten gebührend feiern und ehren zu können".

In der Woche vor dem Earth Day startete das Unternehmen zudem mit Explore Mode eine globale Veranstaltungsreihe mit Musikern, Künstlern und Influencern, bei der sich die Teilnehmer dazu verpflichteten, ihre Treibhausgas-Emissionen zugunsten der amerikanischen NGO The Conservation Fund auszugleichen.

Warum uns die Kampagne gefällt: Obwohl es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass der Earth Day in naher Zukunft als Feiertag in unserem Kalender stehen wird, gelang es The North Face mit dieser Aktion, eine clevere Unterschriftenaktion mit tatsächlichen Verpflichtungen zu verknüpfen. Der Marketing-Mix der in diese Kampagne eingeflossenen Maßnahmen passt perfekt zusammen. Die Aktion, tatsächlich die eigenen Filialen zu schließen, folgt ganz dem Motto „Nicht nur Reden, sondern Machen“ und ist auf ganz Nordamerika gerechnet sicher kein Pappenstiel. Unser Fazit: Eine großartige Kampagne von einer authentischen Marke.

Bacardi: Plastikfreie Emojis

Das Thema Plastikstrohhalme wurde bereits vor etlichen Jahren zum ersten Mal aufgegriffen, da sie aufgrund ihrer Größe schwer zu recyceln sind, die Ozeane verschmutzen und eine Gefahr für die Tierwelt darstellen. Im vergangenen Jahr reagierte Bacardi mit einer Anti-Strohhalm-Kampagne namens „The Future doesn't Suck“ und kündigte eine Eigenverpflichtung zur Beseitigung von einer Milliarde Strohhalmen bis 2020 an. Um die Aufmerksamkeit auch in diesem Jahr wieder auf die Kampagne zu lenken, veröffentlichte Bacardi am Weltwassertag 2019 einen offenen Brief an das Unicode-Konsortium, eine gemeinnützige Organisation, die für digitale Giganten wie Google, Microsoft und Adobe den Emoji-Katalog stetig erweitert. Bacardis Forderungen: Ein Verbot der Verwendung von Plastikhalmen in Emojis! In dem von der Meeresschildkröte Sydney verfassten Brief heißt es, dass „jeder unter dem Meeresspiegel denkt, dass ihr Menschen wirklich schlecht seid". Der Komiker Danny Franzese las den Brief im Namen von Sydney in einem Video vor.

Environmental marketing, single-use plastic
Source: onlinemarketing.de

Warum uns die Kampagne gefällt: Ein toller PR-Stunt, der das Publikum darauf aufmerksam macht, dass Bacardi ein Vorreiter darin ist, die Welt von Plastikstrohhalmen zu befreien (obwohl sich natürlich auch argumentieren ließe, dass Bacardi als einer der größten Getränkehersteller der Welt, das Plastikstrohhalm-Problem eigentlich auch erst groß gemacht hat). Egal, jeder ist fasziniert von derartigen Kehrtwenden. Der offene Brief ist recht albern, lässt sich jedoch durch das ehrgeizige Umweltengagement rechtfertigen. Alles in allem war das Ganze ein überzeugender Marketing-Stunt und verdient es, noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

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