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Dr. Christoph Samwer
Marketing
2019-05-25

„Einer unserer schnellsten Kunden benötigte nur 34 Sekunden“: Interview mit Dr. Christoph Samwer, CEO & Co-Founder FRIDAY

„Einer unserer schnellsten Kunden benötigte nur 34 Sekunden“: Interview mit Dr. Christoph Samwer, CEO & Co-Founder FRIDAY

Die Versicherungswelt befindet sich in einer Transformation, in der der digitale Versicherer FRIDAY den deutschen Markt anführt. Das Berliner Start-up hat mit seinen innovativen Produkten und einer optimierten Digitalisierungsstrategie treue Kunden gewonnen. Wir sprechen mit CEO und Co-Founder Dr. Christoph Samwer über Kundenorientierung, Entwicklungen bei Insurtech und warum - wenn es um die Kundengewinnung geht – das Überwinden von Hürden oft wichtiger ist als Produktinnovationen.

FRIDAY hat neue, spezielle Produkte auf dem traditionellen Versicherungsmarkt eingeführt. Das bemerkenswerteste Angebot ist wahrscheinlich „Zahl pro Kilometer", bei dem der Fahrer nur für die Kilometer bezahlt, die er im Jahr auch fährt. Bei „FRIDAY Original" können Kunden ihre Verträge zum Monatsende kündigen. Welche Prozesse stehen dahinter, um solche Produkte zu entwickeln?

Die Versicherungsbranche glänzt eigentlich damit, dass sie seit Jahren den Kunden mit Innovationsentzug begegnet. Die meisten Produkte haben sich seit Jahrzehnten nicht verändert. Wir haben von Beginn an auf User Research gesetzt und bestehende Kundeninteressen bedient. Zu Beginn jedes Prozesses steht daher stets die Auseinandersetzung mit der Kundenperspektive und dem Mehrwert für Kunden. Jedes der Produkte war im Zeitpunkt seiner Markteinführung ein Novum auf dem deutschen Versicherungsmarkt.

Mit „FRIDAY + ECO" unterstützt FRIDAY Klimaschutz-Projekte: Wenn der Kunde dieses Produkt auswählt, trägt er aktiv dazu bei, seine CO2-Emissionen auszugleichen. Sollte jedes Unternehmen solche Social-Responsibility-Angebote haben?

Wir haben die Entwicklung von FRIDAY +ECO auf den Weg gebracht, weil es ein klares Kundeninteresse gab. Die Idee ist Kunden vom Strommarkt bekannt und dort äußerst beliebt: jeder fünfte Kunde entscheidet sich für einen Ökostrom-Tarif. Genau diese Option bieten wir nun in der Autoversicherung an. Haltung als Unternehmen wird immer wichtiger für Kunden.

Wie groß war die Herausforderung, die tradierte Haltung von Autofahrern gegenüber Versicherungen zu verändern? 

Man muss das Vertrauen der Kunden gewinnen. Das gelingt uns, weil wir wie Versicherer auftreten, ohne dabei unseren innovativen und technologiegetriebenen Kern zu verlieren. FRIDAY war von Beginn an als digitale Versicherung konzipiert. Diesen Qualitätsanspruch erkennt man zum Beispiel in der Teamzusammensetzung – Versicherungsexperten arbeiten Seite an Seite mit Digital Natives und Gründern. Ein solches Team ist die Voraussetzung für innovative Produkte, die gleichzeitig die Bedürfnisse der Kunden abbilden. Mit solchen herausragenden Produkten gewinnt man das Vertrauen von Kunden. Für FRIDAY waren Auszeichnungen durch Stiftung Warentest oder der Autozeitung, insbesondere aber positives Kundenfeedback, ein Beleg, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wird sich der Versicherungsmarkt künftig weiter digitalisieren?

Das ist ein unaufhaltsamer Prozess. Natürlich gibt es Geschäftsfelder, die schneller von digitalen Innovationen erobert wurden. Die Frage, ob Versicherungskunden sich eine zunehmende Digitalisierung überhaupt wünschen, wird ebenfalls gestellt und dabei auf eine grundlegende Skepsis bei Kundenbefragungen gegenüber InsurTechs verwiesen. Sich auf solche Umfragen zu berufen, ist jedoch äußerst kurzsichtig – ähnlich dem Verweis auf den geringen Anteil der Elektrofahrzeuge am Gesamtzulassungsmarkt. Wie gefährlich es sein kann, stets nur auf den Status Quo zu schauen, erlebt derzeit schmerzvoll die Autoindustrie.

FRIDAY ist kein typisches Start-up, da die Haupteigentümerin Baloise Group von Beginn an in FRIDAY investiert hat. Welche Vorteile ergeben sich für ein InsurTech, das mit einem traditionellen Versicherungsunternehmen zusammenarbeitet? 

Es ist genau das, was gern Konzernen abgesprochen wird: Geschwindigkeit. Dank der Unterstützung der Baloise Group sind wir aber wesentlich schneller gewesen. Ohne das Know-how und die aktive Unterstützung der Kollegen aus der Schweiz, Luxemburg, Belgien und Deutschland wäre es uns nicht möglich gewesen, in nur sechs Monaten eine digitale Autoversicherung auf den Markt zu bringen. Der andere Vorteil liegt in der Erfahrung, die ein Konzern institutionell gesammelt hat. Diese Erfahrung schlägt sich positiv in der Qualität der FRIDAY-Produkte nieder – so hat Auto Bild FRIDAY als beste Kfz-Versicherung aus über 300 Tarifen ausgezeichnet.

Welche Erfahrungen kann FRIDAY an Start-ups, die innovative Produkte in traditionell geprägten Märkten lancieren möchten, weitergeben?

Die für Smartphone und Tablet optimierte Antragsstrecke hat wesentlich zur guten Entwicklung von FRIDAY beigetragen. Wir haben es unseren Kunden extrem einfach gemacht, einen Vertrag mit FRIDAY abzuschließen. Das Abbauen von Hürden beim Onboarding - auch gegen interne Bedenkenträger - würde ich daher ebenso wichtig bewerten wie Produktinnovationen selbst. Und fast wichtiger noch: Das Versprechen in weniger als 90 Sekunden zum Preis zu gelangen, konnten wir gegenüber unseren Kunden einhalten: Einer unserer schnellsten Kunden benötigte nur 34 Sekunden. Im analogen Leben ist der Herr mit nur 55 Pferdestärken eher gemütlich unterwegs.

Wir freuen uns über die Partnerschaft mit FRIDAY. Inwieweit kann SevenVentures Euren Erfolg weiter vorantreiben? 

FRIDAY hat sich die Reputation erarbeitet, ein innovatives und modernes Unternehmen zu sein. Wir genießen eine hohe Glaubwürdigkeit und Sympathie bei unseren Kunden. Eine Grundlage für diesen Erfolg war ganz sicher die gute Zusammenarbeit mit SevenVentures und damit der Zugang zur Expertise, Beratung und TV-Präsenz.

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